Poppe probiert's - Churfranken Trainrun 32km

Teil 1: Warum ich laufe?

Vorneweg, das hier ist kein Text von jemandem, der jemals auf einem Siegertreppchen stehen wird oder von jemandem, der Rekordzeiten laufen wird. Aber trotzdem von jemandem, der sich wie ein Gewinner fühlt. Vor Jahren dem Fast Food verfallen, schaffte ich den Switch, nahm 20 Kilo ab, lief meinen ersten Marathon in knapp unter fünf Stunden, dann meinen zweiten in knapp über viereinhalb Stunden. Dann kam plötzlich der Einbruch. Keine Angst, mir wurde nicht die Schuhe gestohlen, aber die Motivation. Zu viel Arbeit, zu wenig Zeit, hier mal krank, da mal lieber auf die Couch und schon ist da wieder so ein Hürde. Die Angst, dass man für den Kilometer plötzlich trotz Anstrengung wieder sieben Minuten braucht, weil die Waage wieder in Richtung dreistelligen Bereich geht, bremst dann noch mal extra. Genau die Waage war es dann aber auch, die mir sagte es muss wieder etwas passieren. Und jetzt lauf ich wieder. Endlich. Und bin unfassbar froh darüber.

Was haben sie mich am Anfang belächelt. Weil ich stolz über 5 Kilometer in einer 6er-Pace war. Die 3:30min/km-Läufer in meiner Timeline, die 30 Kilo weniger als ich auf den Rippen haben. Sollen sie das mal mit einer vollen Kiste Bier in der Hand schaffen. Und dann kamen auf der anderen Seite die Nachrichten von Leuten, die noch 30 Kilo mehr als ich haben und sich bedankten. Für die Motivation: "Ich laufe jetzt auch, wenn du das schaffst, will ich es auch versuchen!" Manche sind heute schlanker als ich. Den richtige Weg finden ist beim Laufen so wichtig. Sowohl auf der Strecke, als auch persönlich. Nicht auf andere schauen, das tun, was einem Spaß macht, Straße, Wald, Musik an oder aus, Schuhwerk, Wettkämpfe und wenn ja wie oft und welche Länge? Fragen, die man nur selbst beantworten kann und bei denen viel zu oft Antworten bei anderen Leuten gesucht werden. Einfach raus, testen, machen. Ich kann das nur jedem ans Herz legen, egal wie schwer er oder sie ist, egal wie schwer es am Anfang ist. 1.000 Meter schnelles Gehen, so hab ich auch mal angefangen.

Neben dem herrlichen Effekt, dass der Gang auf die Waage im wahrsten Sinne des Wortes wieder leichter fällt, sind es vor allem die Stunden auf irgendwelchen Waldpfaden und Radwegen, die sich so lohnen. Während die Welt sich gerade ständig verändert und einem manchmal Angst machen kann, steht im Wald hinter der Haustür noch alles an seinem Platz. Die große Eiche sieht noch immer aus, als würde sie jeden Moment auf den Weg kippen, hier mal ein Wanderer, da mal ein Hase. Ansonsten Ruhe und Einklang. Hier pushen mal keine Eilmeldungen aufs Handy, man pushed sich hier höchstens selbst an seine Grenzen. Das wunderschöne am Laufen ist, man kommt so schnell (wieder) in Form. Wo am Anfang nur ein paar Kilometer schon echt anstrengend waren, gehen jetzt schon wieder 20 Kilometer ohne tagelangen Muskelkater als Risiko und Nebenwirkung. Weil der Körper wieder kann und der Kopf wieder will.

Für mich ist Laufen kein Kampf gegen Gegner und Bestzeiten mehr. Gewinnen ist schön, Bestzeiten freuen. Aber eigentlich ist es der Kampf mit dem Schweinehund, der sagt "Komm, lieber in Jogginghosen auf die Couch und nicht in Laufhosen in den Wald". Ihn zu besiegen lohnt sich eigentlich immer, weil am Ende eben das gute Gefühl steht. Immer. Egal ob ein paar lockere Kilometer, Steigerungsläufe, lange Läufe oder Berganstiege. Egal, ob dich 20 rüstige Rentner überholen oder du an ein paar jungen Hüpfern locker vorbei trabst. Jeder gelaufene Meter ist einer mehr auf der positiven Seite der Tagesbilanz, jede gelaufene Sekunde ein kleiner Urlaub für den Körper. Und obwohl das klar ist, geht der Kampf gegen diesen fiesen Schweinehund dann halt doch jede Tag von vorne los. Morgen lauf ich wieder - ganz bestimmt.

Mein persönlicher Trick: Ziele setzen, die man nur schwer erreichen kann und dann versuchen sie zu erreichen. Mein nächstes Ziel ist am 24. September den herrlichen Churfranken Trailrun zu laufen. 5,4 Kilometer, die niedrigste Laufklasse, waren für mich kein Thema, sind aber eine schöne Anfängerstrecke. Die 11,3 km im Auge, wurde mir schnell klar, dass das nicht die Marke "schwer zu schaffe" wird. Nach dem sogenannten Hill-Climper kommt nur noch der 32 km lange Mountain King mit 903 Meter An- und Abstieg, der von Sulzbach durch unsere herrliche Region eine große Schleife zieht und dort auch wieder endet. Dafür trainiere ich jetzt vier Mal in der Woche. Nicht für eine tolle Zielzeit, nicht für ein Duell mit einem anderen Läufer, sondern um meine Grenzen zu erfahren, meinem Körper etwas Gutes zu tun, für das geile Gefühl, wenn man nach so einem Lauf noch tagelang schwere Beine hat, die einen jeden Schritt an diese großartige Leistung erinnern. Ich hab meinen Weg gefunden wieder gerne laufen zu gehen. Ohne Druck und dennoch mit Spaß großen Zielen. Poppe 1 - Schweinehund 0. Mehr in Kürze!

 

 

Thomas Poppe

 

 


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